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Die Entwicklung  des Kickboxens

Dies ist eine Zusammenfassung der Magisterarbeit von Klaus Nonnemacher. Die eigentliche Arbeit umfaßt 148 Seiten und 52 Abbildungen.

1. Die Entwicklung des Kickboxens

Nach dem 2.Weltkrieg fanden asiatische Kampfsportarten ihren Weg nach Amerika. Die asiatischen Kampfsportarten erfreuten sich schnell großer Beliebtheit. In Amerika wurden Karate Turniere ab 1967 ausgetragen. Diese Turniere unterschieden sich von den ursprünglichen Turnieren darin, daß der harte Kontakt bei den einzelnen Techniken den Kämpfern erlaubt war. Nach einem Treffer wurde der Kampf gestoppt, und die Schiedsricher erteilten ihre Wertungen. Im Januar 1970 fand der erste Kickboxkampf in den USA statt. Dieser wurde von dem Karateka Joe Lewis nach den neuen Regeln, nämlich voller Kontakt und kein Punktstop, ausgetragen. Dieser Kampf fand mit Boxhandschuhen und Tennisschuhen statt. Erlaubt waren Fausttechniken, Würfe und Fußtechniken oberhalb der Gürtellinie. Lewis gewann diesen Kampf im Schwergewicht. Heute gilt er als Kampfsportlegende und gibt Seminare überall in der Welt. Zudem hat er auch Erfolg als Filmschauspieler. 1972 entwickelte der in Amerika lebende Koreaner eine Schutzausrüstung für Karatekämpfer aus hartem, gummiähnlichem Schaumstoff. Es handelte sich dabei um einen einem Boxhandschuh ähnlichem Faustschützer, bei dem die Finger freigelegt waren, wodurch das greifen ermöglicht war. Für die Füße wurde eine Art Gummischuh entwickelt, der sich um die Ferse und den Spann legte. Die Fußsohle war frei. Diese Schutzausrüstung ermöglichte es nun, Karatekämpfe mit Kontakt auszutragen und die Verletzungsgefahr zu reduzieren. Unter Protest der traditionellen Karateka wurde die Schutzausrüstung auf den Turnieren eingeführt.

Aus dem damaligen Karate entwickelte sich ein Turniersystem, welches sich zu Anfang Sportkarate oder Pointkarate nannte. Heute wird die Form des Kontaktkaratekampfes in Amerika als Pointfighting und in Europa als Semikontaktkickboxen betrieben. Das Semikontaktkickboxen ist eine Kampfsportart, die heute auf der ganzen Welt als die spektakuläre Kampfweise vertreten ist. Das Regelwerk ermöglicht Kämpfern aus verschiedenen Stielrichtungen gegeneinander anzutreten. So können Karatekämpfer gegen Kung-fu-Kämpfer und Kickboxer gegen Tae-Kwon Do-Kämpfer antreten.

Ziel im Semikontaktkickboxen ist es, ähnlich wie im olympischen Fechten, einen Treffer beim Gegner zu erlangen und dadurch einen Punkt zu erhalten. Aufwendige Techniken wie ein Sprungkick zum Kopf, werden mit einer höheren Punktvergabe belohnt.

1972 revolutionierte die Schutzausrüstung das Karate und ermöglichte es, mit vollem Kontakt und ohne Punktstop, wie von Lewis demonstriert, gegeneinander zu kämpfen. Man wollte sich jedoch von den Boxern distanzieren, und so nannte man die neu erschaffene Kampfsportart Fullcontactkarate. Gekämpft wurde damals auf einer abgegrenzten Mattenfläche und nicht im Ring. Es waren Würfe aus dem Judo erlaubt, Fausttechniken aus dem Boxen, sowie Handkantenschläge aus dem Karate. Fußtechniken waren nur über der Gürtellinie erlaubt. Die Kampfkleidung bestand aus einer langen Karatehose, meist wurde ein Karategürtel dazu getragen, der Oberkörper war frei.

1974 war die Geburtsstunde dieser Kampfsportart. Zu den ersten Weltmeisterschaften im Fullkontactkarate in Los Angeles/Kalifornien waren 10 000 Zuschauer gekommen. Die Kämpfe wurden vom Fernsehen übertragen, die Veranstaltung war ein großer Erfolg. Im Laufe der Zeit und auch durch den Druck der Fernsehgesellschaft veränderten sich die Regeln. Aus der Kampffläche wurde ein Ring, anstelle der offenen Handschuhe wurden Boxhandschuhe eingeführt. Die ersten Fullkontactkaratekämpfe fanden in Amerika statt. Die Amerikaner begannen nun auch in Übersee zu kämpfen. Sie genossen in Europa den Ruf, unschlagbar zu sein. Ein amerikanisches Team kämpfte 1976 in Paris gegen eine Auswahl Kämpfer aus Europa. Alle fünf Kämpfe gewannen die Amerikaner. In Europa wurde das Fullkontaktkarate immer populärer. Im Gegensatz zu Amerika wurde es in Europa als Amateursport betrieben.

In Asien sah die Situation ein wenig anders aus. Einige amerikanische Fullcontactkämpfer und auch einige Europäer kämpften in Japan und Thailand nach den Regeln des Thai-Boxens. Fast alle Kämpfe wurden damals von den Asiaten durch K.O. gewonnen. Der einzige Kämpfer, der sich in Asien durchsetzen konnte, war Benny Urquidez. Er wurde in Japan so populär, daß ein Comic von ihm gemacht wurde. Als Grund für die Niederlagen der Amerikanischen und der Europäischer Kämpfer ist wohl die unterschiedliche Kampfweise anzuführen. Thai-Boxen ist der Thailändische Nationalsport. Das Thai-Boxen ist eine alte Kriegskunst, die auf eine jahrhundertalte Tradition zurückzuführen ist. Hinzu kommt noch, daß Thai-Boxen eine Vollkontakt-Kampfsportart ist. Im Thai-Boxen sind sowohl Kniestöße, als auch Ellenbogenschläge erlaubt, sowie auch Tritte unterhalb der Gürtellinie. Die Schutzausrüstung besteht nur aus Boxhandschuhen, vor 1929 waren die Fäuste nur mit Bandagen umwickelt. Die meisten K.O. erfolgten durch Lowkicks, Halbkreistritte auf die Oberschenkel, die es nach einigen Treffern unmöglich machten, sich auf den Beinen zu halten. Diese Technik war der Hauptgrund, warum die Amerikaner und die Europäer nahezu reihenweise K.O. getreten wurden. Hinzu kam noch, daß die Fullkontaktkaratekämpfer keinerlei Erfahrungen mit Knie und Clinchtechniken hatten.

Wenn die Kämpfe nun aber nach Fullkontaktregeln durchgeführt wurden, so waren die Asiatischen Kämpfer im Nachteil, da sie auf ihre Knie-, Ellengbogenstöße und die Lowkicks verzichten mußten. Man begann nun ein Regelwerk zu entwickeln, welches beiden Stilrichtungen gerecht wurde.

Dies war die Geburtsstunde des modernen Kickboxens. Es wurde ein Regelwerk entwickelt, welches beiden Stielrichtungen gerecht wurde. Knie- und Ellenbogentechniken, Clinch und Würfe wurden verboten, Boxtechniken, Lowkicks und Fußtechniken über der Gürtellinie waren erlaubt.

Dieses Regelwerk, das ca. 1978 in Kraft trat, fand schnell Anerkennung in Asien, Amerika und Europa, wobei sich in Deutschland erst 1980 diese Form des Kickboxens durchsetzte. Inzwischen ist das moderne Kickboxen unter der "World Kickboxing Association" in über 100 Ländern auf der ganzen Welt vertreten. Unter dem Begriff Kichboxen faßt man mehrere sportliche Disziplinen zusammen. Das Semikontaktkickboxen oder auch Pointfighting genannt, das Fullcontachtkickboxen, was sich aus dem Fullcontaktkarate entwickelte, und dem eigentlichen Kickboxen, welches eine Synthese aus dem Fullcontakt und den Thai-Boxen darstellt.

© Klaus Nonnemacher (WKA - Germany)


 
 
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